Bayerische Laufzeitung, 1. Mai 2026
Die Berliner Marathonlegende Günter Hallas ist verstorben
Von Horst Milde mit Informationen von Bernd Kunze (LG Nord Berlin)
Am Freitag, dem 17.04.2026, verstarb in Berlin überraschend Günter Hallas (BSC Rehberge) im Alter von 84 Jahren. Wir – die Lauf-Community – trauern sehr um Günter und unser Mitgefühl gilt der Familie.Günter Hallas (18.01.1942), geborener Spandauer, zwei Kinder und eine Enkelin, war Postzusteller. Er war jetzt Witwer, seine Frau war vor zwei Jahren gestorben.
Günter Hallas gewann am 13. Oktober 1974 den 1. BERLIN-MARATHON, der damals noch 1. Berliner Volksmarathon hieß, in 2.44:53. Es war damals ein außergewöhnlicher Marathon, denn es konnten auch vereinlose Läufer/-innen teilnehmen, was bis dato nicht möglich war.
286 Teilnehmer-/innen starteten in der Waldschulallee 80, 244 erreichten das Ziel in der kleinen Vorfahrtstraße am Mommsenstadion. Der Lauf verlief am Rand des Grunewalds, parallel zur AVUS, als Zweirundenstrecke bis zum Strandbad Wannsee und zurück. Bei diesem Erfolg startete er noch für den TSV Siemensstadt, aber bereits im Jahr 1975 wurde er Mitglied in der Leichtathletik-Abteilung des BSC Rehberge und damit der LG NORD Berlin, dem Zusammenschluss mehrerer Berliner Vereine im Norden Berlin, u.a. mit dem SC Tegeler Forst.

Die Sieger des BERLIN-MARATHON von 1974: Günter Hallas (lks.) und Jutta von Haase (r.) mit dem Gründer des BERLIN-MARATHON Horst Milde (m.) beim „Veteranentreffen“ des Marathons in der „Eierschale“ in Dahlem; anlässlich des 5o-jährigen Jubiläums des BERLIN-MARATHON 2024 – Foto: Gora
Das Laufen und die aktive Bewegung gehörten für Günter schon immer zu seinem Leben, als Briefträger treppauf-treppab sowie in seiner Freizeit beim Laufen über die längeren und langen Distanzen auf der damaligen Aschenbahn, als auch bis zur Marathondistanz auf der Straße. Beim BERLIN-MARATHON hat er insgesamt 43 Läufe gefinisht, den letzten im Jahr 2024. Er war damit Mitglied des BERLIN-MARATHON Jubilee-Club.
Er selbst schätze, dass er wohl mehr als 90 Läufe weltweit über die Marathondistanz absolviert habe.
Bereits in den beiden Jahren 1970 und 1971 startete Günter Hallas für die LG NORD Berlin, da sich der TSV Siemensstadt der damals gegründeten neuen Leichtathletikgemeinschaft angeschlossen hatte, um starke Mannschaften und Staffeln zu bilden. Seine freundliche, humorvolle Art gehörte zu seinem Leben, seine leicht berlinerische Sprache gehörte ebenso dazu wie seine ausgeprägte Hilfsbereitschaft.
Er lief als Vorbereitung auf den 1. Berliner Volksmarathon des SCC einmal vor dem Marathon 20 – 25 km, das war es dann. „Den Rest bis 42 km kannste auch noch so schaffen“ war die optimistische Prognose für die Lauf-Premiere.
101 km in der Woche – „aber nur einmal und nie wieder.“
Trainingsmäßig kam er auf 50 Kilometer, max. 60 Kilometer die Woche. „Det haben mir die SCCer nie gegloobt“ sagt er. Eingeladen hat er sie, immer mit ihm zu trainieren, aber gekommen ist keiner. Einmal ist er die Woche mal insgesamt 101 km gelaufen – „aber nur einmal und nie wieder.“

Start des 1. BERLIN-MARATHON („Berliner Volksmarathon“) 1974 – Waldschulallee 80 in Berlin-Charlottenburg – Foto: Forum für Sportgeschichte Berlin – Marathoneum
Auf dem Startbild des 1. Berliner Volksmarathon in der Waldschulallee 80 ist Günter Hallas (Startnummer 37) nicht zu erkennen. Das sollte sich schnell ändern, denn er lief bald an die Spitze. Ab Kilometer 10 lag er vorne, an der Verpflegungsständen lief er meistens vorbei: „bloß keine Zeit verlieren, man muß ja weiterrennen“ so sein Kommentar. Eine Salztablette habe er genommen mit einem Glas Wasser (gehörte 1974 zur offiziellen Verpflegung) – und warme Brühe im Ziel! Zum Lachen war ihm auf der zweiten Runde überhaupt nicht mehr. In der Nähe des Auerbachtunnels (bei 39 km/40km) an der AVUS ging es ihm so schlecht, daß er sich an den Zaun hing und aufhören wollte. Ein einsamer Zuschauer ermunterte und überredete ihn dann noch, sein Vorsprung gegenüber dem Zweiten war so groß: „Det schaffste noch!“
„Det kann doch nicht der Sieger sein“
Günter Hallas schaffte es tatsächlich noch, aber der Ausruf eines Zuschauers hat er heute noch im Ohr: „Det kann doch nicht der Sieger sein!“ – so langsam und abgekämpft kam er nach 2:44:53 ins Ziel am Mommsenstadion an vor Rudolf Breuer (SV Helios) 2:46:43 – 3. Günter Olbrich (Polizei SV) 2:48:08.

Günter Hallas bei seinem letzten BERLIN-MARATHON 2024 kurz vor dem Ziel – Foto:: SCC EVENTS/Sebastian Wells [OSTKREUZ)
Günter Hallas ist dem Laufen treu geblieben, trotz aller Malaisen, die man in einem Läuferleben über sich ergehen lassen muss. Günter lief nicht nur in Berlin, sondern auch beim Vancouver-Marathon, das war sein schönster Lauf im Ausland, auch beim New York City Marathon, in Lissabon und auf Hawaii, und auf vielen anderen Veranstaltungen in Deutschland.













