Bayerische Laufzeitung, 3. Juli 2026
Nicht nur Hitze, Blitz und Hagel sorgen für Emotionen
Mit dem Swiss Irontrail im Parc Ela um Savognin und Bivio ist die diesjährige Trail- Saison eindrücklich lanciert worden. Die Faszination aus Höchstleistung, Kräfteeinteilen und Flexibilität zeigte sich eindrücklich.
T78, T55 und T22 und T20 sowie H22 und H20 – endlich hatten Trail-Läuferinnen und – Läufer aus dem In- und Ausland eine einzigartige Gelegenheit zum Starten erhalten. Starten in ihrer Domäne, dem Trail-Running. Und verbunden mit unvergesslichen Naturerlebnissen, unterwegs-sein auf pittoresken Pfaden, schwer atmen, kämpfen die Balance finden zwischen Fordern und Überfordern, zwischen 2 und 16 Stunden. Nach individuellen Präferenzen liess sich das Programm zusammenstellen. Forderten etwa beim T20 «humane» 20,2 km und 1059 Höhenmetern, waren es beim T78 immense 78 km und 4996 Höhenmetern.
Emotionen en Masse
Die Begeisterung widerspiegelte sich im Ziel in glücklichen Gesichtsausdrücken, markigen Worten, in Dankbarkeit, aber auch nicht mehr ganz so runden und entspannten Bewegungen. Und Vereinzelte ärgerten sich auch – über Verpasstes, falsche Entscheidungen, unglücklicher Verpflegung, Schwächen im Kopf und/oder in den Beinen.
Der Irontrail sorgte für Emotionen, Eindrücken und Erinnerungen. «Das war ein grossartiger Tag, ein vielfältiger mit wunderbaren Bildern, intensiven Körperempfindungen, quasi ein Leben im Zeitraffer», war immer wieder zu hören. Und um ein Thema kamen die wenigsten der rund 600 Teilnehmenden herum: die Hitze. Sie forderte zusätzlich und ganz intensiv. Dass ein Grossteil der Strecken auf über 2000 Höhenmetern verlief, entschärfte nur bedingt.
Bivio als Ort der Gegensätze
Umgesehen und umgehört haben wir uns in Bivio. Das Dorf am Fuss des Julierpasses war Zielort für den T55 wie den T22. Und Durchgangsstation für die Königsstrecke T78. Sich in Bivio als Sieger des T55 angekündigt hörte sich Beat Neff. Von «einem coolen Event mit vielen Bächen, Seen und einem unglaublichen Gefühl beim Laufen» sprach der Zürcher kurz danach. Sein Pech bei «meinem ersten grossen Rennen in der Schweiz»: Er musste erkennen, dass er über die zweitlängste Strecke nicht wirklich der Schnellste gewesen war. Der Vorjahressieger des T78, Gregorio Arello (It) stieg in diesem Jahr in Bivio aus. «Es war zu heiss, ich konnte mein Tempo nicht mehr halten», begründete er. Nachträglich wurde er so zum Sieger. «Meine Freude ist auch so gross», sagte er. Mehr als 30 Minuten schneller war er als Neff.
Die schnelle Ärztin
Aus erweiterter Perspektive betrachtete Kim Strohmann ihr Resultat. Ihr Glanzresultat. Die gebürtige Deutsche war die Siegerin mit dem kürzesten Anfahrweg. Die Hausärztin und passionierte Läuferin aus Lenzerheide entschied sich vor zwei Wochen spontan zum Starten beim T22 und bereute dies keineswegs. «Es war cool, nahe von Zuhause anzutreten.»Den Tipp zum Irontrail hatte sie von einer Patientin erhalten. Und sie entdeckte «die Region als Geheimtipp nicht nur für den Winter, sondern auch im Sommer». Zum Thema Hitze sagte sie: «Zum Glück war meine Herausforderung nach knapp zweieinhalb Stunden vorüber.
Auch so hatte sie mit Krisen, Schwindel und krampfenden Muskeln zu kämpfen. Trotzdem: Nächstes Jahr will sie zurückkehren, «dann aber über eine längere Distanz.» Die Schnellsten beim K78 waren Adrian Castrischer (Bern) mit 9:57:53 Stunden sowie Giulia Saggin (It) mit 12:13:00.
Ob kurze Strecke, mittlere oder ganz lange: Der Swiss Irontrail forderte. Auch witterungsmässig. Vorüber zogen dunkle Wolken und Gewitter. Lokal führten sie zu Irritationen einige Läuferinnen und Läufer, die hineingerieten, wurden direkt ins Tal geleitet.
«Safety first» hiess die Begründung. Und um 20 Uhr entschlossen sich die Organisatoren zum definitiven Rennabbruch. Angepasste Zusatzklassements setzten einen Kontrapunkt.










