Bayerische Laufzeitung, 14. September 2026
Zum Tod von Helmut Reitmeir: Ein Leben für den „reinen“ Berglauf
Mit verliert die Sportwelt nicht nur einen der erfolgreichsten Senioren-Bergläufer der Welt, sondern auch ein echtes Original. Seine Leidenschaft für die Berge war absolut – ebenso wie seine Bereitschaft, für seine Überzeugungen und die Rechte der Athleten in den verbalen und juristischen Ring zu steigen.
Der Athlet: Dominanz am Berg
Sportlich setzte Reitmeir Maßstäbe, die in seinen Altersklassen ihresgleichen suchten. Er war ein Läufer, der die extreme Quälerei liebte und die Berge als Raum für Grenzerfahrungen verstand.
- -: In den Jahren 2002 und 2004 krönte er sich zum Senioren-Berglaufweltmeister.
- : Er sammelte zahlreiche Titel als Deutscher und Bayerischer Berglaufmeister.
- ß : Ob beim Zugspitzlauf, dem Jungfrau-Marathon oder extremen Ultraläufen weltweit – Reitmeir lief über 160 Siege in seinen Altersklassen ein.
Der Streiter: „Berglauf pur“ und der Kampf gegen Verbände
Sein Lebenswerk im Netz, die Plattform Berglauf Pur, war Programm. Reitmeir kämpfte für das, was er als den „“ ansah: den reinen Lauf bergauf, ohne Event-Spektakel.
Dabei agierte er oft als Ein-Mann-Opposition gegen etablierte Institutionen. Er legte sich vehement mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) an, dem er regelmäßig Inkompetenz und mangelnde Förderung des Berglaufs vorwarf. Legendär war sein kompromissloser Kampf gegen Meisterschaftsstrecken mit Bergabpassagen, die er aus gesundheitlichen und orthopädischen Gründen strikt ablehnte.
Präzedenzfall: Der Prozess gegen Altersdiskriminierung
Dass Reitmeir Missstände nicht nur lautstark anprangerte, sondern bis zur letzten Konsequenz bekämpfte, bewies er auf juristischer Bühne. Ausgelöst durch die Benachteiligung älterer Jahrgänge im Wettkampfsystem, legte er sich mit der Verbandshierarchie an. Er führte einen wegweisenden Prozess wegen Altersdiskriminierung und erstritt einen beachtlichen Sieg.
Für Reitmeir war es unerträglich, wenn Seniorenklassen (wie die AK80) bei Deutschen Meisterschaften stiefmütterlich behandelt, zusammengelegt oder faktisch unsichtbar gemacht wurden. Mit dem erfolgreichen Urteil setzte er ein dauerhaftes Zeichen für die Würde, den Respekt und das Startrecht von älteren Athleten im Amateursport. Er bewies, dass Leistung am Berg keine Frage des Geburtsdatums ist.
Das Anecken: Wenn die Leidenschaft über das Ziel hinausschoss
Reitmeir war kein Mann der leisen Töne oder der diplomatischen Kompromisse. Seine Kritik war oft harsch, scharf und persönlich. Wenn er Ungerechtigkeiten witterte – sei es bei der Verbandsbürokratie, den Sicherheitskonzepten alpiner Läufe oder der „Verweichlichung“ des Sports –, hielt er nicht hinter dem Berg.
Dabei schoss er, wie Wegbegleiter oft anmerkten, immer wieder über das Ziel hinaus. Seine unnachgiebige Vehemenz konnte tief verletzen und führte dazu, dass er Türen eher einschlug, anstatt sie mühsam zu öffnen. Aus tiefem Frust über die anhaltende Sportpolitik zog er sich schließlich 2016 auch als langjähriger, rühriger Macher des beliebten Wallberg-Berglaufs zurück – ein bitterer Verlust für die regionale Laufszene, der aus purem Trotz geboren war.
Ein bleibendes Erbe
Man musste nicht immer seiner Meinung gewesen sein, um den tiefen Respekt vor seiner Lebensleistung zu spüren. In vielen Punkten – wie dem Schutz der Athleten, dem Kampf für faire Altersklassen und der Einforderung von echtem Berg-Know-how – traf er den Nagel auf den Kopf. Helmut Reitmeir hat den Berglauf gelebt, geatmet und mit einer Energie verteidigt, die heute selten geworden ist.
Kurt König
Im Gedenken an den Ersteller Helmut Reitmeir: Die Webseite https://www.berglaufpur.de/ wird im aktuellen Zustand erhalten und nicht mehr aktualisiert
Ein Portrait von Helmut Reitmeir aus dem Jahr 2014 in der Bayerische Laufzeitung https://bayerischelaufzeitung.de/aktuell/und-weitere-laufpersoenlichkeiten/











