Marathon München geht in den Lostopf

Ein großes Fragezeichen steht hinter der Olympia- und Marathonstadt. Der seit 1983 ausgetragene Stadtmarathon geht ab 2027 in ein Losverfahren und um die Olympischen Spiele 20XX gibt es zunächst eine deutsche Bewerbung.

Bayerische Laufzeitung, 29. Mai 2026

Marathon München geht in den Lostopf – An den Läufern vorbei: Wer erhält den Zuschlag zur Durchführung ab 2027

Von Erwin Fladerer

München – Die Stadt will wieder Olympische Spiele veranstalten und damit das Olympische Erbe von 1972 auf einzigartige Weise bewahren. Der Olympiapark wird fortwährend genutzt und bildet das Herzstück des kompakten und nachhaltigen Bewerbungskonzepts für 20XX. Die Münchner haben sich in einem Bürgerentscheid mit einer Zustimmung von 66 Prozent dafür ausgesprochen.

Doch wie sieht es in der Münchner Marathongeschichte seit 1972 und vor 20XX aus? Das gab es nach dem olympischen Marathon 1972 zunächst private und vereinsmäßige Initiativen im Jahr 1976 und 1977, anschließend eine vielversprechende Neuausrichtung mit dem passenden Namen Olympia City Marathon ab 1983. Nach 1987 folgten Kooperationen mit Firmennamen Nesfit und Deutsche Bahn. Darauf folgten Pleiten, Pech und Pannen mit der Folge, dass es von 1997 bis 1999 keinen Marathonlauf mehr gab. Bis im Jahr 2000 Gernot Weigl die Stadt von dem Dornröschenschlaf erwachen ließ. Schließlich galt es durch den weltweit mittlerweile gestiegenen Laufboom als normal, dass die Städte einen Marathon präsentierten. 25 Jahre hat Weigl mit der München Marathon GmbH diese Veranstaltung in die Top 5 in Deutschland und mit über 25.000 Teilnehmern zu einem in der Welt anerkannten Marathonlauf geformt. Die Stadt nahm es wohlwollend zur Kenntnis, dass es neben dem Oktoberfest auch ein zweites, und zwar ein sportliches gab und Läufer wie Touristen für eine Wertschätzung in Millionenhöhe sorgten.

25 Jahre Kontinuität – und jetzt?

Nun hat man dem Gernot Weigl und der München Marathon GmbH ohne Grund den Laufpass und für 2025/26 der Laufstatt Event gGmbH von Fabian Schäfer den Zuschlag zur Ausrichtung gegeben. Doch auch der neu installierte Veranstalter kann sich nicht sicher sein, den Marathon weiterhin ausrichten zu dürfen. Die Stadt stellt die Weichen für die Austragung 2027 und 2028 auf Zufall. Denn alle bis zum 15. Juli 2026 beim Kreisverwaltungsreferat eingehenden Anträge für die Durchführung des Laufes, der an einem Sonntag nach dem Oktoberfest stattfinden zu hat, kommen in den Lostopf. Jeder, der sich aufgrund seiner Bewerbungsunterlagen zutraut, eine Marathonveranstaltung sicher durchführen zu können, kann sich also ein Los in der Losbude der Stadt ziehen und vielleicht den Zuschlag erhalten. Überprüft wird das nicht. Dem Zufall sind also Tor und Tür geöffnet.

Eine Weltstadt mit Herz setzt auf den Zufall

Weitere Startups wie die Laufstatt Event gGmbH oder auch wie damals die Vereine der Stadt sind auf den Plan gerufen, sich an der Verlosung zu beteiligen. Vorkosten zur Bewerbung sind einzurechnen und auch der bisherige Veranstalter wird sich hüten, im Voraus weitere Investitionen zu tätigen. Wirtschaftlich eigentlich ein Fiasko. Noch heute hat die 25 Jahre agierende München Marathon GmbH nach dem kurzfristigen Rausschmiss die Probleme von langfristig geplanten Büro- und Hallenmieten zu tragen. Arbeitsplätze mussten gekündigt und Materialien entsorgt werden. Ganz abgesehen vom Umgang mit Menschen, die der Stadt langfristig keine Probleme, sondern eine sportliche Großveranstaltung ohne Probleme geboten haben.

Nun aber könnten die Probleme erst losgehen – mit dem Los

Was sich die Stadt für die Zukunft vom Marathonlauf erwartet, bleibt ungewiss. Mit dem Stadtratsbeschluss vom 29. April 2026 erwartet sie, dass die Referate Bildung Sport, Arbeit und Wirtschaft ein Konzept vorlegt, das nachhaltige und sportfachliche Kriterien ab dem Jahr 2029 berücksichtigt. Auch die Protagonisten, also jene 25.000 oder mehr Läuferinnen und Läufer sorgen sich, ob und wie es mit dem Marathon in München weitergeht.

>> München Marathon 2027 <<