Bayerische Laufzeitung, 9. Mai 2026
Peter Herzogs emotionale Rückkehr zu den Lauffestspielen
Im vergangenen Herbst hat Peter Herzog sich aus dem Leistungssport verabschiedet. Die Leidenschaft fürs Laufen ist dem Leoganger aber erhalten geblieben. Bei den Lauffest- spielen der Mozartstadt startet er erstmals seit Jahren mit vergleichbarem Mindset wie viele der Tausenden Hobbyläufer:innen. Der sportliche Ehrgeiz ist noch da, aber das Genießen des Drumherums bekommt dieses Mal deutlich mehr Platz.
Eine Karriere in dieser Qualität hat der Salzburger Laufsport im Straßenlauf, und ganz besonders im Marathon, zuvor nicht erlebt. Peter Herzog (Union Salzburg), vielfacher Salzburger Landesrekordhalter, Landes- und Staatsmeister, hat den Laufsport in Salzburg über Jahre geprägt und und weit darüber hinaus als Vorbild viele in der Szene inspiriert.
Die Wurzeln seiner Erfolge liegen in seinen ersten Wettkampfschritten, die er vor über einem Jahrzehnt bei den Lauffestspielen der Mozartstadt gesetzt hat. Genau dort, wo er 2024 als Marathonsieger lautstark vom heimischem Publikum bejubelt seinen schönsten Zieleinlauf erlebt hat, feiert der Pinzgauer am 17. Mai eine Art zweiten Abschied von der Bühne. Jenen mit der emotionalen Komponente.
Ein Feuerwerk der Emotionen auf der Zielgeraden
Der 38-Jährige wird den Sparkasse Halbmarathon bestreiten und freut sich bereits jetzt auf den Zieleinlauf am Max-Reinhardt-Platz. Ihn erwartet ein besonderer Empfang zu sei nen Ehren. „Die Zielgerade entlang zu laufen war bei all den vielen Rennen für mich immer der Moment, in dem die Last abgefallen ist. Ein Moment der Befreiung, egal wie der Wettkampf gelaufen ist. Ein Moment der Freude. Also genau diese Wahrnehmung, dieses Aufsaugen der Stimmung, diese Emotionen, die so viele tausende Hobbyläufer:innen bei ihrem Zieleinlauf auch spüren.“
„Eine außergewöhnliche Persönlichkeit“
Ein großes und entscheidendes Stück seines Weges hat ihn Johannes Langer als Trainer begleitet. „Zwischen uns ist über viele Jahre eine stille Sprache aus Vertrauen, Zweifel, Arbeit und Hoffnung entstanden“, würdigt der Burgenländer seinen langjährigen Schützling. „Der Wettkampf ist oft nur der sichtbare Teil einer viel größeren gemeinsamen Reise. Peter war und ist für den Laufsport mehr als ein Spitzenathlet. Er ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die mit Haltung, Bescheidenheit und Leidenschaft gezeigt hat, warum eine Gesellschaft solche Vorbilder dringend braucht.“
Für Langer ist es ein Privileg, Herzog mit jener Veranstaltung, die er seit über 20 Jahren mit seinem Team organisiert und großgemacht hat, eine perfekte Plattform für ein emotionales „Servus!“ bieten zu können. „Die Lauffestspiele der Mozartstadt machen nicht nur Zeiten oder Ergebnisse sichtbar, sondern geben Menschen eine Bühne, die andere inspirieren, selbst an sich zu glauben, und Bewegung als Teil eines erfüllten Lebens verstehen. Gerade deshalb sind Veranstaltungen wie die Lauffestspiele so wichtig!“, betont er.
Der Heimsieg als ein Höhepunkt
Unter seiner Laufkarriere mit spitzensportlichem Anspruch hat Peter Herzog vor sechs Monaten einen endgültigen Schlussstrich gezogen: nach viereinhalb Jahren als ÖLV-Rekordhalter im Marathon (Bestzeit: 2:10:06 Stunden, London Marathon 2020), nach einer Olympia-Teilnahme im Marathon sowie WM- und EM-Teilnahmen auf diversen Distanzen mit der EM-Bronzemedaille in der Nationenwertung 2018 in Berlin als besonderem Augenblick.
Ein unvergessliches Highlight war für ihn der Sieg beim Salzburg Marathon vor zwei Jahren. „Zweifellos hab ich in meiner Karriere deutlich stärkere Rennen absolviert und viel bessere Leistungen gezeigt. Aber nach dem Sieg in Salzburg haben mich so viele Menschen auf diesen Marathon angesprochen und mir gratuliert wie bei keinem anderen Rennen, nicht einmal nach den Olympischen Spielen oder meinem Rekord in London.“
Ein Lauf-Wochenende der Erlebnisse
Die Erinnerungen an 2024 sind noch frisch, daher kann der Pinzgauer es kaum erwarten, am 17. Mai ähnliche Emotionen neuerlich zu spüren. Dieses Mal mit viel mehr Lockerheit und bewusster Aufmerksamkeit dafür. „Der Vienna City Marathon und die Lauffestspiele der Mozartstadt waren die wichtigsten Laufveranstaltungen meiner Karriere. Sie haben mich über viele Jahre als Fixpunkte begleitet. Daher ist es für mich wunderbar, dass ich meinen Abschied auf diesen emotionalen Bühnen gleich doppelt nachholen kann.“
In Wien ist der 38-Jährige als „Cable Guy“ für den ORF einen Marathon gelaufen. Für einen zweiten binnen vier Wochen reiche auch mit Reserven in der Tempogestaltung der aktuelle Trainingsumfang nicht, schmunzelt er: „Es wäre zu viel des Guten. Ich habe mit dem Ende meiner Leistungskarriere tatsächlich einen radikalen Schritt gesetzt, was das strukturierte Training betrifft.“
Umso mehr freue er sich auf ein Laufwochenede der Gelassenheit. Auf viele besondere Erlebnisse und Begegnungen mit Freunden und Weggefährten, auf ein entspanntes Genießen vieler Programmpunkte – ganz ohne Anspannung und Druck, ohne intensive Vorbereitung auf dem Weg dorthin. „Trotzdem“, betont er, dass ihm der Ehrgeiz nicht abhanden gekom- men ist, „möchte ich mich auf der Strecke fordern und bestmöglich ins Ziel kommen!“
Back to the Roots
Der Pinzgauer erlebe im Moment in seiner Beziehung zum Laufen einen Flashback an jene Zeit, noch bevor seine Karriere als Quereinsteiger in den Laufsport Fahrt aufgenommen hat. Damals, als er von seiner Heimat in die Landeshauptstadt gereist und ungezwungen an den Start des 10km-Laufs bei den Lauffestspielen der Mozartstadt gegangen ist. Es waren jene Jahre, als er sein Talent und seine Freude am Wettkampflaufen entdeckte.
Genau so stellt sich gegenwärtig das Laufen im Leben des Peter Herzog dar. Er schnürt seine Laufschuhe jeden Tag, wenn möglich. „Wenn ich einmal nicht zum Laufen komme, ärgere ich mich schon, weil ich merke, dass mir das Laufen extrem wichtig ist. Aber es ist kein Problem, wenn es einmal nicht klappt! Mir taugt die Regelmäßigkeit, aber ich genieße es extrem, unstrukturiert zu laufen.“ Härtere Einheiten gebe es nur, wenn er spontan Lust und Laune verspüre, nicht wenn es ein Trainingsplan vorsieht.
Alle Informationen zu den Lauffestspielen der Mozartstadt: salzburg-marathon.at











